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 Interview - „Wir bieten eine neuartige
psychologische Begleitung“

Interview mit  Prof. Dr. Gerhart Unterberger und Dr. Klaus Witt vom Institut für Therapie und Beratung an der HAWK Hildesheim

Was ist das Besondere an Ihrem „Psychologischen Krebstherapie-Begleitsystem“?

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Es unterstützt Menschen, die an Krebs erkrankt sind,  während ihres schweren Wegs, als den sie ihre Behandlung in der Regel von Anbeginn, also von der Diagnose und dem damit verbundenen Schock bis hin zu den teils langwierigen Therapien erfahren. Unser Programm ist für jeden dieser Patienten geeignet, einfach zu handhaben, es ist wirkungsvoll und zudem ist es kostenlos. Jeder kann mit diesen Mental-Programmen umgehen. Sie erklären sich von selbst und sind deswegen gerade für den Laien sehr gut geeignet.

Ihre Mental-Programme sind also ein Ersatz für eine psychoonkologische Betreuung?

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Da, wo ein Patient nicht in den Genuß einer Betreuung durch einen speziell ausgebildeten Psychologen kommt, bietet unser Mental-Programm durchaus einen effektiven Ersatz. Da, wo ein Krebskranker eine psychoonkologische Betreuung erfährt, ist es eine ausgesprochen angenehme und willkommene Ergänzung.

Unser Programm kann nachweislich nicht schaden, sondern es entfaltet vor allem positive, angenehme und wohltuende Wirkungen. So wurde unser Programm von den meisten Betroffenen als hilfreich eingestuft, was ja selbst schon den positiven Effekt unterstreicht.

Seit wann gibt es das „Psychologische Krebstherapie-Begleitsystem“?

Dr. Klaus Witt:  Das gerade vorgelegte Mental-Training zur psychologischen Unterstützung von Krebstherapien ist schon vor einigen Jahren entwickelt worden. Allerdings wollten wir vor einem breiten Einsatz erst noch die Wirksamkeit testen und die positiven Effekte wissenschaftlichen und klinisch nachweisen.

Die entsprechende Studie „Psychologische Begleitung von Krebstherapien mit Hilfe von Medien“ wurde von Prof. Dr. Gerhart Unterberger und Martin Bargfeldt durchgeführt. Sie hat 2002 die positiven Effekte nachgewiesen, die man bei der Entwicklung schon erwartet hatte. Die Studie wurde am Institut für Therapie und Beratung e.V. an der HAWK, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, FH Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen zusammen mit elf deutschen Kliniken durchgeführt.

Es heißt, das Programm wurde mit Techniken des Neuro-linguistischen Program-mierens oder auch NLP entwickelt. Handelt es sich vielleicht um dabei esoterische Methoden? Oder um eine Art Heilslehre?

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Nein, ganz im Gegenteil. NLP ist ein inzwischen in der Psychotherapie weit verbreitetes Verfahren, um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen und Klienten wieder selbstätig und frei von Beeinträchtigungen handeln zu lassen. NLP wird von sehr vielen Psychologen und Psychotherapeuten angewandt, die mit ihren Standardmethoden von der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie immer wieder an ihre Grenzen stossen. NLP hat eigentlich, ohne dass es in der breiten Öffentlichkeit bemerkt worden wäre, längst einen Siegeszug angetreten. In meinen Augen auch kein Wunder: Die Wirksamkeit spricht einfach für sich. 

Unser Krebstherapie-Begleitprogramm basiert auf NLPt (Neuro-linguistische Psychotherapie), was eine Weiterentwicklung des NLP ist. Unser mediengestützte System dient der mentalen Vorbereitung und psychologischen Begleitung von Operationen, Chemo- und Bestrahlungstherapie.

Was sind denn diese gerade angesprochenen NLP-Techniken, die in dem Programm zum Einsatz kommen?

Dr. Klaus Witt: Unser Programm besteht aus fünf speziell ausgelegten Hörstücken, die sich mit meditativer Musik, geführten Trancen und eingängigen Merksätzen direkt an das Unbewusste der Patienten richten. Sie können unmittelbar eingesetzt werden, wenn man die schockierende Diagnose bekommen hat oder aber vor einer Operation steht. Die einzelnen Themen richten sich nach den verschiedenen Stufen der Erfahrung und sie unterstützen die unterschiedlichen Behandlungsmethoden.

Die mit Methoden aus dem NLP formulierten Induktionen berücksichtigen die sehr unterschiedlichen Indikationen und die verschiedenen Zustände. Diese haben wir im Vorfeld sehr eingehend studiert.

Die Trancen haben daher für den Patienten auch ganz klar erkennbare und nachvollziehbare Ziele, die im Bewusstsein „verankert“ werden. Damit habe ich eine der wichtigsten Methoden oder Technik bereits angesprochen: Das „Ankern“ von bestimmten Sätzen. Denn wir wissen heute, dass unsere Gedanken und Einstellungen einen großen Einfluß auf unsere Erfahrung haben. Wir können also mit unserer Einstellung gewissermaßen das Erleben verändern – auch oder vielleicht gerade in solchen Extremsituationen wie im Falle einer Krebstherapie.

Sie meinen damit, dass Ihr Programm zuersteinmal eine positive und hoffnungsvolle Grundstimmung herstellt?

Dr. Klaus Witt: Wir sprechen in diesem Zusammenhang von mentalen Inter-ventionen. Sie machen für uns dann Sinn, wenn sie dem Patienten dabei helfen, von seiner überwiegenden, ja zwanghaften Befassung mit seinem negativen Erwartungen wegzukommen und auf eine möglichst neutrale Weise auch Heilungsoptionen mit zu betrachten.

Wir haben unsere Trancen und Anweisungen so formuliert, dass bei dem Patienten ein „Lösungsorientierung“, das heißt eine Bereitschaft und Offenheit selbst gegenüber dem „Abenteuer Therapie“ möglich wird. Es kann sich darüber zweifellos eine ganz andere Sichtweise entwickeln.

Nach dem Schock der Krebsdiagnose oder vor der Therapie sitzen viele wie das Kaninchen vor der Schlange. Nach unserer Intervention kann man es vielleicht sogar als ein (zweifellos gefährliches) Abenteuer betrachten, das man mit Glück und Geschick gesund überstehen kann.

Welche Einstellungen des Patienten lassen sich darüber hinaus noch verändern oder sollten besser verändert werden?

Dr. Klaus Witt: Es gibt eine ganze Reihe von Einstellungen und Haltungen, die man positiv beeinflussen kann und auch sollte. Ich denke dabei an die Überzeugung, dass die Therapie auch tatsächlich hilft. Wenn im Patienten unterschwellig die Meinung vorherrscht, selber an seiner Krankheit schuld zu sein, dann ist diese negative Einstellung nicht hilfreich für die Heilung. Andererseits kann die eigene Bereitschaft wirklich zu gesunden, tatsächlich die Therapie auch positiv beeinflussen.

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Neben einigen anderen Zielen geht es uns darum, dass der Patient für Botschaften des Körpers sensibler wird. Emotionale oder konditionierte Hemmungen von Immunreaktionen müssen genauso Ziel für Interventionen sein, wie auch fehlerhaft gelernten Reaktionen des Immunsystems. Denn gerade bei Tumoren hat die Anregung des Immunsystems, einen hohen Stellenwert. Über Visualisierungen, einer weiteren Technik aus dem NLP, geht es uns darum, den Tumor als körperfremd zu erkennen und nachhaltig zu bekämpfen.

Wie muss ich mir ein Trance nach Ihrem Verständnis vorstellen?

Dr. Klaus Witt: Trancen werden im NLP häufig eingesetzt. Sie werden als „geführte Tagträume“ benutzt, deren Ausgang eine Botschaft enthält. Dazu wird der Klient in einen Zustand wohliger Entspannung und Selbstvergessenheit geleitet, also in einen durchaus sehr angenehmen Zustand, in dem er nicht mehr ganz wach, aber auch noch nicht ganz eingeschlafen ist.

In einem solchen Zustand ist das Unbewusste sehr aufmerksam und aufnahmebereit. Wir können es gewissermaßen mit Metaphern füttern. In solchen Metaphern können wir Botschaften in Trancetexten unterbringen. Metaphern sind Sprachbilder oder angedeutete Vergleiche, bei denen ein leicht verständliches Ereignis beschrieben wird, das beispielsweise der Beschreibung physiologischer Vorgänge dient. Metaphern können kurze Sätze oder ganze Geschichten sein.

Solche Trancen haben üblicherweise eine Länge von etwa 20 Minuten, beginnen mit einer zeitbindenden Einleitung von ungefähr 10 Minuten, die zu tiefer Entspannung führen soll, einer ebenfalls ca. 10-minütigen Phase, in der die zentralen Botschaften übermittelt werden und einer Weckphase, in der die entspannungsfördernden Suggestionen der Einleitung wieder zurückgenommmen werden und Wachheit, Lebendigkeit, die Wahrnehmung der Umgebung suggeriert wird, um die Trance wieder zu beenden.

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Wir haben uns eine ganze Reihe von positiven Suggestionen ausgedacht, die wir an das Unbewusste geben. Dabei handelt es sich nicht um Zauberei oder Manipulationen, sondern um Techniken, die man beispielsweise im Sport unter dem Stichwort „Mentales Training“ schon lange kennt und auch bereits lange einsetzt. Dazu gehören in unserem Falle Sätze wie „Ich sehe vielleicht jetzt schon mehr und mehr Möglichkeiten, mein Ziel zu erreichen.“ Oder: „Ich lerne mit jedem Tag besser, meine Gefühle zu zeigen.“ Oder: „Ich lerne mit jedem Tag besser, mich klar verständlich auszudrücken.“

Wie kann man denn überhaupt die Wirksamkeit von Trancen wissenschaftlich nachweisen?

Dr. Klaus Witt: Die Wirkung des Systems wurde in einem Experimental- und Kontrollgruppendesign an einer Stichprobe untersucht. An dieser Stichprobe haben 88 Frauen mit Brustkrebs teilgenommen, die mit Hilfe der Standardtherapien Operation, Chemotherapie und Bestrahlung behandelt wurden. An drei Messzeitpunkten wurden medizinische und psychologische Daten erhoben, nämlich vor der Behandlung, nach der Behandlung und nach weiteren sechs Monaten. Ergänzt wurde die Studie durch einen Wochenfragebogen während der Behandlung.

Ist das „Psychologischen Krebstherapie-Begleitsystem“ das erste Programm seiner Art? Welche Erfahrungen haben Sie darüber hinaus mit NLP bei der Behandlung von schweren Erkrankungen?

Prof. Dr. Gerhart Unterberger: Am Institut für Therapie und Beratung e.V. an der HAWK, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, FH Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen arbeiten wir seit vielen Jahren mit hochwirksamen mentalen Programmen, die auf der Basis von NLP-Strategien entwickelt wurden. So haben wir schon vor Jahren das Konzept des HGT Hildesheimer-Gesundheitstrainings entwickelt, das als neuartige Gesundheitsberatung inzwischen bundesweit anerkannt ist. Das Hildesheimer Gesundheitstraining wurde speziell und gezielt für die mentale Beratung chronisch Kranker entwickelt und mehrfach klinisch getestet.

Psychologische Gruppentherapien auf der Basis von Neuro-Linguistischer Programmierung (NLP) und Hypnotherapie stehen darüber hinaus in den letzten Jahren im Fokus von Forschungen an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit. Ein interdisziplinäres Team entwickelte eine ganze Reihe von hoch effektiven Systemen zur mentalen Therapie chronisch Kranker und testete die Wirksamkeit zusammen mit renommierten Kliniken. So entstanden Systeme für die Orthopädie, Onkologie, Allergologie, Kardiologie und für die allgemeine Prävention. Unter dem Titel „Herz mit Verstand“ wurde auch ein Programm zu Behandlung von Patienten entwickelt, die unter Bluthochdruck und Herzkrankheiten leiden.

         
         
 
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